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Transnationale Nicht-Regierungsorganisationen und institutionelle Dichte: Zur Wechselwirkung von Global Governance-Funktionen und Weltstadtbildung (DFG, 2002-2004)

Das Vorhaben konzentriert sich auf die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Global Governance-Funktionen und der Formierung von Global Cities. Geographische Weltstadtforschung ist bislang stark auf ökonomische Globalisierungsprozesse verengt. Die Charakterisierung von Global Cities als urbane Knotenpunkte globaler Netzwerke basiert daher auch ganz überwiegend auf der Agglomeration von wirtschaftlichen Funktionen mit globalen Reichweiten in bestimmten Städten, wie dies etwa in den prototypischen Global Cities New York, London und Tokio zu beobachten ist.

Im Gegensatz zu diesem ökonomischen Blickwinkel beschäftigt sich unser Vorhaben mit der räumlichen Konzentration von zivilgesellschaftlichen Akteuren - vor allem transnationalen Nicht-Regierungsorganisation (NROs), denen regelmäßig eine prominente Rolle in einer sich entwickelnden Global Governance-Architektur zugeschrieben wird. Dieser Fokussierung liegt die Beobachtung zu Grunde, dass die "globale Zivilgesellschaftlich", ebenso wie die Weltwirtschaft, zentrale Knotenpunkte in der globalen Städtehierarchie erzeugt. Washington DC, Genf und Brüssel dienen als Fallbeispiele, da sich dort eine ungewöhnlich große Anzahl von NROs angesiedelt hat - meist im Umfeld zwischenstaatlicher Institutionen wie der Weltbank in Washington, der UNO in Genf und der Europäische Kommission in Brüssel.

Zwei übergeordnete Hypothesen bilden den Ausgangspunkt für die Untersuchung: Erstens tendieren transnationale NROs dazu, sich in räumlicher Nähe zueinander sowie zu ihren Hauptantagonisten anzusiedeln, um die Vorteile eines institutionell reichhaltig ausgestatteten urbanen Kontexts zu nutzen. Diese institutionelle Dichte - d.h. ein hoher Grad der Interaktion unter den Akteure im lokalen Umfeld sowie das Bewusstsein, in einem "gemeinsamen Projekt" engagiert zu sein - wird von den NROs genutzt, um ihr spezifisches Wissen zu konstruieren und ihre transnationalen Reichweiten und Einflussnahmen auszuweiten. Zweitens tragen NROs auf der Basis solcher Fähigkeiten und ihrer Integration in globale Netzwerke zur Formierung eines neuen Typs von Global Cities bei.

Einige der zentralen Forschungsfragen sind wie folgt: Welche Strategien entwickeln NROs, um in diesem institutionell dichten Kontext ihre (alternative) Expertise zu konstruieren? Wie intensiv und zu welchem Zweck interagieren sie mit anderen Organisationen in ihrer Stadt? Wie ist Macht und Wissen in diesen Beziehungen verteilt? Wie wird die Problemwahrnehmung und -konstruktion der Akteure in den unterschiedlichen Organisationen auf Grund regelmäßiger face-to-face-Kontakte beeinflusst und modifiziert? Welche Rolle spielen persönliche Kontakte etwa für die Herausbildung von "strategischen Allianzen" unter sonst nicht "gleichgesinnten" Organisationen? Welche Rolle spielt der räumliche und institutionelle Kontext für die Entwicklung von strategischen Lobbying-Innovationen?

Der empirische Teil der Untersuchung basiert überwiegend auf qualitativen Interviews mit VertreterInnen von NROs, Stiftungen, Weltbank, UNO, EU-Kommission etc. sowie auf der Analyse von öffentlichen und internen Dokumenten dieser Organisationen und Institutionen. Die unterschiedlichen Fragestellungen werden je Stadt an einem ausgewählten Politikfeld bearbeitet. In Washington etwa liegt der Schwerpunkt auf NROs, die über die Aktivitäten von internationalen Finanzinstitutionen, wie z.B. der Weltbank Gruppe, anderer multilateraler Entwicklungsbanken oder Exportkreditagenturen, arbeiten.

Kontakt:
Prof. Dr. Dietrich Soyez (project leader)
Dr. Ralf Bläser

Geographisches Institut der Universität zu Köln
Albertus-Magnus-Platz
50932 Köln

Tel.: 0221-4704141 (Soyez)
Tel.: 0221-4706621 (Bläser)
Fax: 0221-4704971

e-mail: d.soyez(at)uni-koeln.de
e-mail: r.blaeser(at)uni-koeln.de