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Die Gefährdung durch Tsunamis und Stürme in Myanmar - Die Suche nach sedimentären Spuren extremer Wellenereignisse in Küstengeoarchiven

Spätestens seit dem Indian Ocean Tsunami (IOT) von 2004 weiß man um die Bedeutung geologischer Tsunamibefunde. Obwohl der IOT auch eine außergewöhnliche Magnitude aufwies, sind seine katastrophalen Auswirkungen nur durch ein fehlendes Risikobewusstsein erklärbar. Da es sich um den ersten historisch dokumentierten Tsunami dieser Magnitude handelte, hätten einzig geologische Befunde Informationen über Vorgängerereignisse liefern und damit ein Gefahrenbewusstsein aufbauen und vulnerabilitäts-reduzierende Maßnahmen einleiten können. Dieses Beispiel und ähnliche Beobachtungen nach Zyklon Nargis 2008 in Myanmar und Supertaifun Haiyan 2013 auf den Philippinen zeigen, dass verlässliche Gefahrenabschätzungen auf den langfristigen Wiederkehrraten extremer Wellenereignisse (EW) unterschiedlicher Magnituden beruhen müssen. Informationen über moderne und historische EW sind in SO Asien auf die letzten Jahrhunderte beschränkt, geologische Befunde umfassen dagegen theoretisch mehrere Jahrtausende und damit auch seltene EW höchster Magnitude.

Während der IOT in den meisten betroffenen Gebieten intensive Forschungsaktivitäten initiierte, sind Erkenntnisse über Ablagerungen von EW in Myanmar sehr limitiert. Demzufolge ist die langfristige Gefährdung durch EW noch immer unzureichend erfasst, obwohl in Myanmar drei Ursachen für EW bekannt sind: (i) in der Bucht von Bengalen entstehende und ostwärts ziehende Zyklone, (ii) durch tektonischen Versatz des gesamten Nord-Sumatra-Andamanen Segments ausgelöste Tsunamis (z.B. IOT), und (iii) durch Seebeben im Bereich des Rakhine Segments ausgelöste Tsunamis (z.B. 1762 Tsunami). Da die geringe Forschungsaktivität zumindest teilweise aus der politischen Isolation Myanmars in den vergangenen Dekaden resultiert, gehen wir davon aus, dass geeignete Küstengeoarchive Befunde von EW speichern und diese das Verständnis der langfristigen Tsunami- und Sturmgefährdung verbessern können.

Während durch eine Kooperation zwischen den Universitäten in Köln und Yangon die administrativen Voraussetzungen gegeben sind, sprechen die geringen Kenntnisse über den tatsächlichen Umfang und den Zustand potentieller Befunde eher für eine Evaluierung möglichst vieler Lokalitäten, als für eine detaillierte Untersuchung einzelner Standorte. Daher sollen 6-8 Strandwallebenen entlang der Küste Myanmars mit leichtem Equipment zur Vermessung (DGPS) und Beprobung (Profile, Kurzkerne) von EW induzierten Sandlagen und Formen (Strandwälle, Überspülfächer) inspiziert werden. In Kombination mit sedimentologischen (Körnung, Fauna, Mineralogie, Geochemie) und chronologischen (AMS-14C, optisch stimulierte Lumineszenz) Labormethoden soll der beantragte Geländesurvey die Durchführung von Folgeprojekten stimulieren: (i) durch das Schaffen einer Datenbasis für die systematische Untersuchung vielversprechender Lokalitäten; (ii) durch Wissenstransfer an Absolventen aus Myanmar, die an der Geländekampagne teilnehmen werden.